Muss Großbritannien Angst vor nicht-europäischen Einwanderern haben?

Der Anteil der nicht europäischen Einwanderer sinkt und die Zahl der EU-Einwanderer steigt. Mit dem Ende der Finanzkrise haben Staaten angefangen, sich auf ihre Einwanderungspolitik zu konzentrieren. In der diesjährigen Europawahl erhielten extreme rechte Parteien viele Stimmen, wie Marie Le Pen mit dem Front National, die “Dansk Folkeparti“ in Dänemark und die Wahre Finnen Partei in Finnland. Diese Parteien positionieren sich generell skeptisch gegenüber der EU, sowie Einwanderern. Dieses Wahlergebnis zeigt, dass es eine europäische Stimmung gegen Immigration gibt.

In diesem Artikel soll es vor allem um Großbritannien gehen, wo die United Kingdom Independent Partei (UKIP) die europäische Wahl gewonnen hat (siehe Guardian 2014). Großbritannien ist ein multikulturelles Land, das sowohl aus EU-Bürgern als auch aus Einwanderern aus der ganzen Welt besteht. Fast alle Nationalitäten sind Teil der britischen Gesellschaft. EU-Staaten und insbesondere Großbritannien sind alarmiert angesichts der Zunahme der Einwanderer, wobei sich die Frage stellt: von welchen? Und vor wem hat London Angst? Vor EU- oder nicht-EU-Einwanderern? Einwanderer kommen aus vielen Ländern, in diesem Artikel werden sie in zwei Gruppen aufgeteilt: die EU Einwanderer und die nicht-EU-Einwanderer. Ich konzentriere mich auf die Immigration ,,East to West“ innerhalb und außerhalb Europas. Die Ost-Ost Immigration kann an anderer Stelle vertiefend behandelt werden. Im Folgenden werde ich zunächst aufzeigen, dass die Ähnlichkeiten zwischen EU- und nicht-EU-Einwanderern groß sind. Danach soll die Gruppe der nicht-EU-Einwanderer genauer analysiert werden, wobei festgestellt wird, dass vor allem nicht-EU-Einwanderer Probleme haben, was einen legalen Aufenthalt anbelangt. Abschließend wird der aktuelle Trend aufgezeigt, dass immer mehr Staaten die EU-Migration problematisieren.

NEIN – nicht-europäische Einwanderer sind keine besondere Bedrohung für Großbritannien. Im Vergleich zu den europäischen Immigranten sind sie sich ähnlicher als wir denken, insbesondere wenn es um das Reiseziel geht. Ob aus Europa oder nicht, die Einwanderer versuchen in die nördlichen reicheren Länder zu kommen. Dort – so glauben sie – erwartet sie alle eine wirtschaftliche Zukunft, ein stabiles Einkommen, eine Wohnung, Schulbildung für die Kinder und letztlich natürlich Teilhabe am westlichen Wohlstand. Das finanzielle Zentrum ,,The City“ bietet viele Arbeitsmöglichkeiten und der Markt erweist sich als sehr flexibel – es ist leicht, eine Arbeit zu finden. Einige wohnen in Großbritannien nur, um einen Zugang zum Wohlfahrtssystem zu haben: der National Health Service (NHS) ist ein sehr umfangreiches und großzügiges System, das von vielen missbraucht wurde. Manche Allgemein- oder auch Fachärzte denken, dass der NHS insbesondere zu großzügig für Einwanderer ist. Heutzutage wenden 36 Millionen Menschen sich in England an den NHS, die anderen ungefähr 14 Millionen wenden sich an eine private Versicherung.

Umgekehrt ist es ein Vorteil für „Einwanderungsländer“‘: sie bekommen neue Arbeitskräfte, insbesondere im Gesundheitsbereich. Zudem hat Großbritannien ein großes Interesse an billigen Arbeitskräften, wie Krankenschwestern aus den Philippinen oder aus China. Laut der Zeitung The Guardian sind 11% des Personals und 26% der Doktoren nicht-Briten. Erstaunlich ist dabei, dass die Mehrheit nicht aus Europa kommt, sondern aus Asien: 11,9% kommen aus Indien und 5,8% aus Pakistan. Nach dem zweiten Weltkrieg war Großbritannien eine der größten Kolonialmächte und hat sich zu einem Einwanderungsland entwickelt. Die Mehrheit der Einwanderer kam aus ehemaligen britischen Kolonien, insbesondere aus Indien, weil Inder die Möglichkeit hatten, die britische Staatsbürgerschaft sehr leicht zu bekommen, zudem können sie Englisch sprechen. Man kann hinzufügen, dass es ähnlich mit französischen Kolonien wie Marokko war. Heutzutage ist Großbritannien durch den Commonwealth noch immer eng mit seinen ehemaligen Kolonien verbunden. Da Großbritannien ein Einwanderungsland ist, gibt es viele verschiedene kulturelle Identitäten. Viele Briten denken, dass Kinder mit Migrationshintergrund weniger Probleme haben, sich in Großbritannien zu integrieren als in anderen Ländern.

JA – Illegale Immigration ist ein Problem. Immigranten suchen unter anderem nach einem besseren Leben, Zugang zu Nahrung, Freiheit und Sicherheit. Einwanderer außerhalb Europas haben eine größere Notwendigkeit auszuwandern als Europäer. Nördliche und Westliche Staaten haben zumeist ein sehr effektives und großzügiges Wohlfahrtssystem. Ein kleines Beispiel: laut UNICEF liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau in einem subsaharaafrikanischen Land bei der Geburt oder in der Schwangerschaft stirbt, bei 1 zu 16. Mit einem besseren Zugang zu Krankenhäusern und kompetenten Ärzten würde die Wahrscheinlichkeit sicherlich sinken; schließlich liegt die Wahrscheinlichkeit in einem Industrieland bei 1 zu 1400 (Unicef 2013). In diesem Fall können wir sehen, wie wichtig es für nicht-EU-Einwanderer ist, Zugang zum Gesundheitssystem zu haben. Es geht aber nicht nur um Gesundheit. In Gebieten wie Syrien oder Afghanistan, wo es Krieg und Verfolgungen gibt, ist Europa eine naheliegende Option, um Unterstützung zu erhalten. In einer solchen Situation versuchen Kriegsflüchtlinge, Europa ohne Visum zu erreichen. In diesem Fall ist Immigration aus dem Ausland, außerhalb Europas im Speziellen, eine Bedrohung. Illegale Migranten sind aus Ländern außerhalb Europas. Der Anteil der illegalen Einwanderung ist im Jahre 2014 alarmierend: Laut Frontex haben 42, 000 Menschen seit Januar 2014 versucht, nach Europa zu kommen. Die Migrantinnen können nicht legal einreisen weil Europa versucht, seinen Grenzen zu schließen (Die ZEIT 2013). Viele Einwanderer fliehen nach Europa mit einem Visum und bleiben dort auch nach Ablauf des Visums. Andere kommen mit Booten und fahren durch das Mittelmeer in die südeuropäischen Länder wie Italien. Die Überfahrt mit dem Boot ist sehr gefährlich: 300 Afrikaner sind letztes Jahr bei einem Schiffsunglück vor der Insel Lampedusa gestorben. Seit 2000 haben 23,000 Menschen ihr Leben bei dem Versuch verloren, Europa und vor allem Nordeuropa zu erreichen (Economist 2014). Europa hat Schwierigkeiten, der Immigration Stand zu halten, insbesondere in Großbritannien. Cameron hat gewarnt: ,,we will find you and send you home“. Viele Afrikaner versuchen durch den Ärmelkanal nach London kommen. Großbritannien versprach der französischen Hafenstadt Calais, mit £12m zu helfen, wenn sie illegale Migranten davon abhielte, nach Großbritannien zu kommen. Tausende Einwanderer versuchen über Calais nach London zu gelangen. Das kann sehr gefährlich sein und mit dem Tod enden. Die vielen toten Menschen zeigen letztlich nur eines: Das Land hat große Probleme mit seinen Grenzen. Illegale Einwanderung wirft auf Großbritannien, und andere EU Staaten, eine schlechtes Licht.

ABER – das Problem heutzutage sind nicht die nicht-EU-Immigranten. Die europäische Einwanderung ist für Großbritannien beunruhigend. Großbritannien zieht Leute aus östlichen und südlichen Staaten in Afrika und Asien an, aber auch Leute aus Süd- und Ost-Europa. Mit dem Referendum über die EU-Mitgliedschaft und jetzt mit der EU-Wahl konnte die United Kingdom Independent Partei (UKIP) zeigen, dass die Insel sehr anti-europäisch und sehr fremdenfeindlich ist. Der UKIP-Vorsitzende Nigel Farage will die Einwanderung weiter beschränken, was im Programm der UKIP sehr deutlich wird. Damit sind die konservativen Kräfte unter Druck, Maßnahmen gegen EU-Einwanderung zu ergreifen. Cameron muss den Zuzug von EU-Bürgern nach Großbritannien begrenzen, und hat Druck auf die EU-Kommissare gemacht, damit die Einwanderung aus anderen EU Staaten eingeschränkt wird. Das Vereinigte Königreich ist zwar nicht in der Eurozone und auch nicht der Schengenzone, sondern lediglich Mitglied der Europäischen Union. Das heißt dennoch, dass das Land seine Einwanderungspolitik nicht völlig eigenmächtig ändern kann. Durch die Freizügigkeit innerhalb der EU, ist es schwierig für Großbritannien, die Grenze zu Europa zu schließen und darüber mit der EU zu verhandeln.

Abschließend möchte ich anmerken, dass Großbritannien keine Angst vor legalen Einwanderern haben soll. Vielmehr sollte Großbritannien sich auf illegale Einwanderer konzentrieren, und die südlichen Länder dabei unterstützen, ihre Industrien zu entwickeln, um die Emigration zu stoppen. Hoffentlich wird das zu mehr Jobs führen, sodass die Menschen mehr Geld verdienen und vielleicht ein besseres Leben leben können. Wenn ein Land z.B eine Demokratie, Pressefreiheit und Krankenhäuser hat, dann wäre die Bevölkerung weniger versucht auszuwandern. Es ist vielleicht nicht die einzige Lösung, aber es ist einen guten Anfang. Was heutzutage alarmierend ist, sind die Einwanderer innerhalb Europas, und die Tendenzen sind die gleichen: von Süd nach Nord, oder von Ost nach West. Zudem ist seit dem Beginn des Jahrs der EU-Arbeitsmarkt für Bulgaren und Rumänen geöffnet. Die UKIP hat die Europawahl gewonnen, und was interessant ist, ist, dass die UKIP sich am meisten auf EU-Einwanderung konzentriert und kaum über Einwanderung von nicht-Europäern spricht. Vielleicht ist der Kampf gegen EU-Einwanderung in Wahrheit ein Kampf gegen Europa. Die Beziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union ist nicht einfach, und es gibt Spannungen über die Einwanderungspolitik. Die Briten werden entscheiden, ob sie in Europa bleiben sollen. Warten wir auf die nächste Wahl.

C.L.

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