Frauenquoten – Blick auf Deutschland, Südafrika und Ruanda

Häufiger Gradmesser für die Gleichstellung ist die Repräsentanz von Frauen und Männern in wichtigen gesellschaftlichen Positionen, sei es in der Politik oder Wirtschaft. Frauenquoten erscheinen in diesem Kontext als Instrument, um eben diese Repräsentanz zu erhöhen und sind somit von großer Relevanz. Der Fokus dieses Kurzbeitrags liegt auf der Betrachtung von Frauenquoten in der Politik. Exemplarisch werden hierbei Deutschland als Land des Globalen Nordens und Südafrika und Ruanda als Länder des Globalen Südens in den Blick genommen. Führen diese Quoten zu einer wirklichen Verbesserung hin auf dem Weg zu einer gleichgestellteren Gesellschaft?

Aktuelle Präsenz erlangte das Thema Frauenquote in Deutschland Ende des Jahres 2014, hier jedoch als Quote für Frauen in der Wirtschaft. Die Große Koalition verständigte sich im Dezember auf die Festlegung einer gesetzlichen Quote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte der rund 100 größten deutschen Börsenunternehmen. Diese Quote soll 2016 gesetzlich in Kraft treten und beschränkt sich einzig auf einen kleinen Teil der Wirtschaft. Neben dieser nun beschlossenen Quote im wirtschaftlichen Bereich gibt schon seit geraumer Zeit verschiedene Formen von Frauenquoten in der Politik. Hierbei handelt es sich jedoch ausschließlich um parteiinterne Regelungen zu Frauenanteilen, eine gesetzlich festgelegte Frauenquote für den Deutschen Bundestag gibt es nicht. Im aktuellen 18. Bundestag liegt der Frauenanteil bei 36,5 Prozent, 230 der 631 Abgeordneten sind Frauen. Zwar nimmt dieser Anteil seit Jahren mehr oder weniger kontinuierlich zu, jedoch liegt er immer noch weit unter 50 Prozent. Wie sich unter anderem in den Querelen um die Frauenquote gezeigt hat, treffen Vorstöße zur Gleichstellung immer noch auf teils massiven Widerstand. So bemängelt auch der 2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland von 2012, dass die gesamtgesellschaftliche Gleichstellung in Deutschland trotz ansehnlicher Erfolge nach wie vor nicht verwirklicht ist. Frauen werden so immer noch geringer bezahlt („Gender Pay Gap“) und sind deutlich seltener in Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft anzutreffen.

Werfen wir nun den Blick nach Ruanda und Südafrika. In Ruanda liegt der Frauenanteil im Parlament bei rund 56 Prozent, welches international den höchsten Wert darstellt. Ebenso werden vier zentrale Ministerien durch Frauen geleitet, darunter das Außenministerium. Es gilt eine gesetzlich festgelegte Quote von 30 Prozent für das Parlament und auf subnationaler Ebene. In Südafrika beträgt der Frauenanteil im Parlament 45 Prozent. Ebenso sind 13 der 34 Minister in Südafrika Frauen. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Quote von 50 Prozent auf subnationaler Ebene, ebenso besteht eine freiwillige Quote auf Parteiebene von 50 Prozent. Frauen sind als Folge dieser Regelungen von der lokalen bis zur staatlichen Ebenen in den politischen Prozess integriert.

Quotenregelungen dieser Art lassen sich in insgesamt 23 von 49 Ländern in Subsahara-Afrika finden. Lag der Anteil weiblicher politischer Vertreter in Afrika 1960 noch bei einem Prozent, so lag er 2009 bei 20 Prozent. Dies ist im Vergleich zu Europa nicht deutlich geringfügiger und lässt sich als eindrucksvolles nominelles Ergebnis der Quotenregelungen sehen. Auch lässt sich diese Tatsache generell als Zeichen zunehmender politischer Emanzipation verstehen. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gesellschaftliche Emanzipation zumeist noch hinter der politischen zurückbleibt. Frauen bleibt der Weg in die Bildung oft verwehrt und sie sind überdurchschnittlich von Armut und Gewalt betroffen. Hinzu kommen die zumeist stark hierarchisch-patriarchalisch geprägten Gesellschaftsstrukturen. Diese machen es umso schwerer, Themen der Gleichberechtigung anzubringen und weiterzutreiben. Auch auf politischer Ebene fällt es oft schwer, entsprechende Gesetze umzusetzen. Die Führung der politischen Parteien und höhere Ämter sind größtenteils immer noch Männern vorbehalten oder von diesen besetzt. Sie sind es, die die Parteilinie vorgegeben, der sich sowohl männliche als auch weibliche Parteimitglieder zu beugen haben.

Zusammenfassend sind Quotenregelung in den drei beschriebenen Ländern als positives Zeichen in einem gesellschaftlichen Wandlungsprozess zu sehen. Sie können vielfach dazu beitragen, dass Frauen sowohl im politischen als auch wirtschaftlichen Bereich an Sichtbarkeit und partiell auch an Einfluss gewinnen. Mit diesen Regelungen muss jedoch auch ein gesellschaftliches Umdenken einhergehen. Erst so können in den genannten Staaten längerfristige Verbesserung erzielt werden, die alle Teile der Gesellschaft umfassen.

M.M.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Afrika, Europa, Frauen abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s