Rohingya in Myanmar: Unterdrückung einer ethnischen Minderheit

Seit Jahrzehnten berichten Medien schon über die politische Lage und den Menschenrechtsverletzungen in Myanmar. Immer wieder kommt es zu Ausnahmezuständen, Versammlungsverboten oder Gewaltausbrüchen, welche die jahrelange politische Situation des Landes verdeutlichen.

Gründe dieser Ausschreitungen lassen sich vermutlich auf eine tief verwurzelte Unzufriedenheit der Bevölkerung zurückführen. Die Unterdrückung ethnischer Minderheiten ist auch nach dem Regierungswechsel 2010 noch deutlich zu beobachten. Vor allem die muslimischen Teile der Bevölkerung sind dieser menschenunwürdigen Unterdrückung seitens der Regierung sowie der größtenteils buddhistischen Bevölkerung des Landes ausgesetzt.

Die Republik der Union Myanmars (auch Burma oder Birma genannt) bezeichnet einen südostasischen Staat angrenzend an Thailand, Laos, China, Bangladesch sowie dem indischen Ozean. Der Vielvölkerstaat mit ca. 60 Millionen Einwohnern_innen zählt insgesamt 135 verschiedene Ethnien, darunter auch Minderheiten wie Christ_innen, Inder_innen oder die sogenannten Rohingya, welche als Volksgruppe nicht offiziell anerkannt und daher „bengalische Muslime“ genannt werden. Die Herkunft der Rohingyas ist sehr umstritten. Da die immer noch größtenteils militärisch geprägte Regierung den Standpunkt vertritt, die Volksgruppe der Rohingya seien illegale Einwanderer Bangladeschs, wird diesen auch die Staatsbügerschaft verweigert. Die Rohingyas hingegen bezeichnen sich selbst als schon lange ansässige Bevölkerung Rakhaings, die vor bis zu tausend Jahren zum Islam konvertiert sind. Während der britischen Kolonialzeit bestand der Großteil der Bevölkerung im Rakhaing-Staat aus der Volksgruppierung der Rohingyas. Anfang der 40er Jahre und vor allem nach der Unabhängigkeit Birmas kam es zu Spannungen zwischen den buddhistischen Arakanesen (Rakhaing) und den muslimischen Rohingya.

Myanmar gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, was größtenteils auf eine ökonomische „Unterentwicklung“ im Sinne der Industrialisierung zurückzuführen ist. Von 1988 bis 2010 wurde Myanmar vom Militär regiert. Diese Herrschaft war durch Diktatur, Gewaltausübung und Missachtung der Menschenrechte gekennzeichnet. Der Bildungssektor ist in Myanmar unter diesem Militärregime besonders stark geschrumpft. Mehrere Hochschulen wurden vorübergehend oder ganz geschlossen. Die daraus resultierenden Bildungsdefizite und die Armut der Bevölkerung führten zu unzähligen studentischen Protesten und allgemeiner Unzufriedenheit. Und obwohl Myanmar reich an natürlichen Ressourcen ist, leben ein Viertel der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Sowohl Amnesty International als auch andere Menschenrechtsorganisationen berichten von den untragbaren Ausmaßen der Menschenrechtsverletzungen in Form von Schikane, Überwachung, Tötung, Folter und Diskriminierung. Es heißt, dass auch die offiziellen Wahlen des semipräsidentiellen Regierungssystems nach wie vor von Korruption geprägt sind, zudem nimmt die vom Militär dominierte Partei „Union Solidarity and Development“ immer noch die Mehrheit im Parlament ein. Bei den Nachwahlen der Parlamentswahl 2012 wurden 45 Sitze neu vergeben, von denen 43 der insgesamt 664 an die Opposition gingen. Vorstand der Opposition ist Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die sich aktiv für die Demokratisierung Myanmars einsetzt. Der Weg hin zur Demokratisierung sollte unter Präsident Thein Sein seit Beginn seines Amtes 2011 geebnet werden. So wurden zwar einige Schritte in Richtung Demokratisierung unternommen, wie z.B. die Lockerung der internationalen Handelsblockaden sowie der Pressefreiheit. Dennoch stellen politische Gefangenschaften und Unterdrückungen einen ausgeprägten Bestandteil des derzeitigen Systems dar.

Nach wie vor sind es die Muslime, die sogenannten Rohingya, welche in Myanmar der stärksten Verfolgung, Diskriminierung und Restriktion ausgesetzt sind. Während diese sich selbst als vor langer Zeit angesiedelte Bevölkerungsgruppe aus dem Westen Myanmars ansehen, spricht die Regierung nach wie vor von illegaler Einwanderung aus dem benachbarten Bengalen. Nach der Unabhängigkeit Myanmars 1948 waren die Rohingyas mit verschiedensten Militäroperationen konfrontiert, bei denen unzählige Menschen ums Leben kamen sowie große Teile der Wohngebiete und Infrastruktur zerstört wurden. Da den Rohingyas die Staatsbürgerschaft nach wie vor verweigert wird, mussten inzwischen mehr als eine Million der verfolgten Minderheit nach Bangladesch, Thailand oder anderen asiatischen Ländern flüchten. Auch Al Jazeera berichtet regelmäßig über die unmenschliche politische Situation sowie den gefährlichen Fluchtversuchen, welche die Rohingyas auf sich nehmen. Im November 2013 beispielsweise kamen 70 Menschen der muslimischen Minderheit ums Leben, als sie versuchten, den Indischen Ozean mit einem Fischerboot zu durchqueren.

Neben der staatlichen Unterdrückung zeigen zudem auch andere religiöse Gemeinschaften des Landes keinerlei Solidarität mit den Rohingya. Häufig kommt es zu enormen Auseinandersetzungen mit buddhistischen Mönchen, welche teilweise gewalttätig gegen die Integration und Anerkennung der Muslime vorgehen. Die Mönche und Nonnen des Theravada-Buddhismus pflegen grundsätzlich weder ein weltliches noch ein politisches Engagement. Politischer Buddhismus ist in Myanmar jedoch weit verbreitet, was darauf zurückzuführen ist, dass auch die Militärdiktatur der Vergangenheit teilweise mit Buddhisten gemeinsam agierte.

Die enorme Menschenrechtsverletzung der Muslime seitens des Staates sowie Teilen der Bevölkerung ist sowohl aus politischer als auch moralischer Sicht untragbar. Ob es gelingt mit Hilfe der politischen Opposition die Unterdrückung und Vertreibung der Rohingya ein Ende zu setzen, bleibt fragwürdig, zumal sich sogar Oppositionsvorsitzende Aung San Su Kyi kürzlich nicht weiter zur Unterdrückung der ethischen Minderheit ihres Landes äußerte. Auf Grund der militärischen Mehrheit im Parlament, lassen sich nur einzelne Schritte auf dem Weg der Demokratisierung und Einhaltung der Menschenrechte ausmachen. Menschenrechtsverletzungen können häufig nur durch außerparlamentarische Organisationen, wie z.B. Amnesty International, aufgedeckt werden. Lokale Gruppierungen, die sich gegen diese Unterdrückung einsetzen, haben kaum Möglichkeit zur Etablierung, da seitens der Regierung öffentliche Meinungsäußerungen nicht geduldet werden und folglich unter anderem mit Freiheitsstrafen gerechnet werden muss. Um eine Veränderung der prekären politischen Situation Myanmars hervorbringen zu können, muss zunächst die Basis demokratischen Denkens geschaffen werden. Solange allerdings der Einfluss des Militärs auf die Politik in diesem Maße vorherrscht, wird die Demokratisierung weiterhin gebremst. Somit wird es auch in vielerlei Hinsicht ein konfliktbeladenes und langes Verfahren bis hin zum endgültigen Ende der Menschenrechtsverletzungen in Myanmar und dem Ende der Unterdrückung ethnischer Minderheiten wie den Rohingya.

E.W.

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2 Antworten zu Rohingya in Myanmar: Unterdrückung einer ethnischen Minderheit

  1. toe schreibt:

    Es ist traurig, aber danke dir, dass du uns diese Missstände in Erinnerung rufst!

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  2. Grünberg schreibt:

    Das hätte ich niemals vom Buddhismus oder besser von Menschen, die sich zu diesem bekennen erwartet. Ich bin enttäuscht. Gerade eben darum, weil Frau Aung San Su Gyi es besser wissen müsste, wie sich Ausgrenzung anfühlt.

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