Die Fehlverteilung von Entwicklungshilfe, ein Grund für ihre mangelnde Effizienz

Entwicklungshilfe hat vier Hauptzwecke: Diplomatie (einschließlich militärischer und politischer Interessen im Ausland), Entwicklung, humanitäre Hilfe und Handel. Auch wenn es das Hauptziel der internationalen Hilfe ist, einem Land in Not zu helfen, war sie immer auf dem Prüfstand und ihre Effizienz in Frage gestellt. Statistische Untersuchungen haben sehr unterschiedliche Einschätzungen der Korrelation zwischen Hilfe und Wirtschaftswachstum hervorgebracht und außerdem keinen festen Konsens darüber gebildet, dass Entwicklungshilfe im Allgemeinen für Wachstumsimpulse sorgt. Die Weltbank-Studie Assessing Aid (1998) argumentiert, dass die Zuteilung von Entwicklungshilfe größeren Einfluss auf die Verringerung von Armut hätte, wenn sie unter den ärmsten Ländern bevorzugt an jene mit stärkeren wirtschaftlichen Institutionen und Politiken ausgerichtet würde (Dollar, D., & Levin, V.). Dennoch folgen große Spender wie die Vereinigten Staaten, Frankreich oder Japan anderen Kriterien, um ihre Hilfsmittel zu verteilen. Diese Fehlverteilung ist ein Grund für die mangelnde Effizienz der Entwicklungshilfe. 

Im ersten Teil des Artikels werde ich mit der Hilfe zwischen der Ex-Kolonien und Frankreich befassen. Danach mit den USA und ihrer Verbindung zum Nahen Osten. In diesem Teil wird der Fall Japans ebenfalls analysiert. Schließlich werde ich die Verbindung zwischen Humanitärer Hilfe und ihrer medialen Darstellung Medien betrachten.

Bei Ländern mit guten Policen scheint sich mehr Hilfe sehr positiv auf das Wachstum auszuwirken. Spender können natürlich unterschiedliche Präferenzen haben, wie sehr sie das Kriterium Regierungsführung vor Armut priorisieren. Das war nicht immer der Fall, wie eine historische Analyse über den Zeitraum 1984 bis 1989 zeigt: Beihilfen wurden hier in der Regel nicht zu Gunsten guter Regierungsführung verteilt. Stattdessen nutzen Spender die Beihilfen als strategisches politisches Werkzeug, wie es in einigen Fällen immer noch der Fall ist. Einige der größten Spender sind nicht besonders selektiv. Sowohl Frankreich als auch die USA senden einen Großteil ihrer Unterstützung an Empfänger, die weder besonders arm sind, noch eine besonders gute Regierung haben.

Einige Länder – insbesondere Frankreich – unterstützen vor allem ehemalige Kolonien in politischen Allianzen, aber zeigen nicht viel Rücksicht auf andere Faktoren wie Armut oder Wahl des politisch-ökonomischen Regimes. Das Verteilungsmuster der Vereinigten Staaten hängt maßgeblich von dem Interesse am Nahen Osten ab. Der Status als ehemalige Kolonie scheint im Vergleich eines der wichtigsten Kriterien zu sein. In einigen Fällen ist die „koloniale Vergangenheit“ viel wichtiger als „Demokratie“ für die Verteilung der Unterstützung. Eine nicht-demokratische ehemalige Kolonie erhält fast 25 Dollar pro Kopf, eine demokratische nicht-Kolonie etwa 14 Dollar pro Kopf. Der Kolonialstatus ist auch wichtiger als eine „offene“ Wirtschaftspolitik. Eine „geschlossene“ ehemalige Kolonie erhält mit fast 23 Dollar pro Kopf über fünfzig Prozent mehr als eine „liberal“ nicht-Kolonie mit 14 Dollar pro Kopf (Dollar, D., & Levin, V.). Frankreich und Großbritannien haben 57% und 78% der Gesamthilfen an ihre jeweiligen ehemaligen Kolonien gegeben. Kolonialgeschichte ist zweifellos wichtig. Der Einfluss der kolonialen Vergangenheit variiert stark von Spender zu Spender, was ihre verschiedenen Geschichten als Kolonialmächte widerspiegelt. Der Anteil der Beihilfen einzelner Spender an Länder die im 20.. Jahrhundert ihre Kolonie war, reicht von 99,6% (Portugal) bis 0% (Länder ohne ehemalige Kolonien, wie Kanada oder Dänemark) (Alesina, A., & Dollar, D.).

Die US-Hilfendistribution basiert auf anderen Kriterien, deren Basis ihr Interesse im Nahen Osten ist. Entwicklungshilfe wird in diesem Fall als strategisches Instrument eingesetzt. Die US-Hilfe wird im beträchtlichem Ausmaß auf den Nahen Osten konzentriert: ein Drittel der US-Hilfe ging nach Ägypten und Israel (Alesina, A., & Dollar, D.). Diese beiden Länder sind weder arm, noch nichtdemokratisch, trotzdem erhalten sie große Summen aus den Vereinigten Staaten. Ägypten und Israel erhalten viel mehr Hilfe als andere Länder mit ähnlichen Charakteristiken. Ägypten erhielt 481 Prozent mehr und der Wert für Israel ist noch höher. Dies liegt daran, dass Israel ein relativ reiches Land ist. Ein solches Land sollte überhaupt keine Beihilfe erhalten, stattdessen erhielt Israel etwa 400 Dollar pro Kopf (Alesina, A., & Dollar, D.). Aufgrund des Konflikts im Nahen Osten haben diese beiden Länder in den letzten Jahrzehnten viel politische und wirtschaftliche Unterstützung von westlichen Mächten erhalten. Dennoch sind die Vereinigten Staaten nicht der einzige Unterstützer Israels, vor allem Deutschland und in geringerem Maße auch die Niederlande unterstützten Israel finanziell. Außerdem bekommt auch Ägypten ungewöhnlich hohe Unterstützungen von den meisten Geberländern. Diese Tatsache kann durch das Verhältnis zwischen ausländischen Hilfszahlungen und den Mustern von UN-Wahlentscheidungen erklärt werden. Die UN-Freundschaft ist eine allgemein sehr wichtige Variable, insbesondere für die wichtigsten Akteure in internationalen Beziehungen. Der Fall Japan ist ein gutes Beispiel: mit Japan „befreundet“ zu sein – das heißt, ein ähnliches Abstimmungsmuster auf UN-Fragen zu haben – erhöht die Wahrscheinlichkeit, Beihilfe von der japanischen Regierung zu erhalten, um 200%. Im Falle der UN-„Freundschaft“ als Stellvertretung für strategische Bündnisse kann Entwicklungshilfe benutzt werden, um politische Unterstützung in der UN zu „kaufen“ (Dollar, D., & Levin, V.). Mit anderen Worten: Spender nutzen die Beihilfen, die für Länder in Not gedacht sind, um Stimmen zu kaufen.

Im Fall von Naturkatastrophen spielen Spender, meist reichere Länder, eine wichtige Rolle bei der finanziellen Unterstützung von schwächeren Staaten. In diesem Fall sollte die humanitäre Hilfe in das Land mit der größten Not vergeben werden. Allerdings bevorzugt Katastrophenhilfe bekannte Katastrophen gegenüber unsichtbarem Leid fernab der Medien oder dem politischen Rampenlicht – das ist schrecklich. Im Jahr 2001 tötete das Hochwasser in Polen etwa 30 Menschen und betraf 15.000 Menschen. Rund 15 Millionen US-Dollar internationale Hilfe wurden der polnischen Regierung gegeben. Im gleichen Jahr wurde auch Thailand von einer Flut heimgesucht (Strömberg, D). Es starben 100 Personen und weitere 450.000 wurden von dem Ereignis betroffen, aber Thailand erhielt nur 25.000 US-Dollar. Einer der Gründe dafür war die Berichterstattung in den Medien; in den USA haben große Nachrichtenportale wie ABC, CBS oder CNC über die Flut in Polen berichtet, während nicht über den katastrophalen Zwischenfall in Thailand berichtet wurde. Dies führte zu einer deutlich reduzierten humanitären Hilfe. Darüber hinaus steuern Nachrichten die Geldflüsse zu denjenigen Katastrophen, die berichtenswerter sind. Erdbeben und Vulkane erscheinen häufiger in den Nachrichten als ebenso schwere Katastrophen anderer Art. Man schätzt, dass für jede Person, die in einer Vulkankatastrophe stirbt, mehr als 2000 Menschen in einer Dürre sterben müssen, um die gleiche Medienaufmerksamkeit zu bekommen. Außerdem sind Katastrophen in Europa oder Amerika wichtiger für die Medien als ähnliche Katastrophen in Asien, Afrika oder im Pazifik (Strömberg, D). Diese Berichterstattung bewirkt eine emotionale Verzerrung zugunsten der Katastrophen, die mehr in den Nachrichten erscheinen – unabhängig vom Schweregrad. Und so werden Unterstützungen, die den Menschen in der größten Not oder in der schlimmsten Katastrophe zugeteilt werden sollten, an „berichtenswertere“ Desaster verteilt.

Im Fall der humanitären Hilfe ist das am schrecklichsten, da es sich um Menschen handelt, die im Sterben liegen und unmittelbare Hilfe benötigen. Die Ungerechtigkeit basiert auf der Berichterstattung und der geographischen Lage; Kriterien, die angesichts von leidenden Bevölkerungen und Naturkatastrophen keine Bedeutung haben sollten. Entwicklungshilfen, die nicht nach gängigen Kriterien wie Armut oder politischer Offenheit zugeordnet werden, sondern stattdessen an Kolonialpartner oder zur Manipulation von Abstimmungen in der UN eingesetzt werden, spiegeln ein Problem der Auslandsbeziehungen wider. Für Länder in Not gedachte Hilfen werden auf die falschen Länder verschwendet, nur um den Einfluss reicher Staaten zu steigern.

J.G.

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