Venezuela macht Schlagzeilen. Maduro macht Schlagzeilen:

Maduro, der amtierende Präsident Venezuelas, lädt Snowden zum Asylbesuch ein.
Maduro verhängt Einreiseverbote für amerikanische Politiker.
Maduro versucht Anti-Regierungs-Demonstrationen zu verhindern.
Maduro lässt den oppositionellen Bürgermeister von Caracas festnehmen.
Maduro ist Chef des korruptesten Landes ganz Amerikas.
Maduro mobilisiert 10.000 Studenten gegen ihn zu demonstrieren.
Madruo verbietet Schlange stehen.
Maduro kauft 50.000.000 Rollen Klopapier im Ausland.

Photo: Jorge Silva | Reuters (http://www.cnbc.com/id/102678399)

Photo: Jorge Silva | Reuters (http://www.cnbc.com/id/102678399)

In Venezuela geht es wahrlich drunter und drüber. Einer der Hauptgründe ist wohl der stark gesunkene Rohölpreis. Während der niedrige Ölpreis den Öl importierenden Ländern und vor allem ihren Autofahrern eine Freude bereitet, hat das für die Exportländer einen ganz gegenteiligen Effekt. Die Staaten, die auf die Einnahmen aus dem Ölexport angewiesen sind, müssen mit krassen negativen Konsequenzen rechnen.

So kommen einige Länder in die Bredouille, ihren Staatshaushalt ohne die gewohnten Einnahmen auszugleichen; für andere Länder, wie zum Beispiel Venezuela, hat dies noch viel extremere Auswirkungen: Der Ölpreis liegt nun bei etwa 60 $ pro Barrel. Das sind 40 $ weniger als 3 Monate zuvor.
Die Deutsche Bank geht davon aus, dass Venezuela ca. 162$ pro Barrel für einen ausgeglichenen Staatshaushalt erhalten müsste.
Diese Umstände führen zurzeit zu einer straken Wirtschaftskrise in Venezuela.
Die extreme Inflation (2014 von 64%), eine sehr starre Devisenkontrolle, und das daraus entstehende krasse Missverhältnis zwischen dem Wert des Bolivars (Währung Venezuelas) und dem US-Dollar bzw. dem Umtauschwert auf dem informellen Markt hat unangenehme und manchmal absurde Folgen für das alltägliche Leben der Venezolaner.

So sind häufig viele Alltagsprodukte nicht erhältlich. Vor zwei Jahren zum Beispiel war das Toilettenpapier in dem Latein-amerikanischen Land so knapp, dass die linksgerichtete Regierung 79 Millionen Dollar für Klopapier und Windeln locker machen musste, um die Bewohner vor einer kleinen Katastrophe zu bewahren.

Und in ganz feiner sozialistischer Inkompetenz der Regierung unter Nicolás Maduro wurde das Problem nicht in der eigenen Wirtschaft, den Finanzmarktregulierungen oder in dem korrupten Staatsapparat, also bei sich selbst, gesucht. Schuld sind simplerweise die produzierenden Firmen und vor allem die Opposition.
– Sorry Leute, das liegt echt nicht an uns!

rot: Maduros Regierungspartei Kommunisitsche Partei Venezuela,98 Sitze; blau: Oppositionsbündnis Mesa de la Unidad Democrática, 65 Sitze, türkis oppositionelle Linkspartei Patria Para Todos (Grafik: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalversammlung_%28Venezuela%29#/media/File:Asamblea_Nacional_Venezuela_2010.svg)

rot: Maduros Regierungspartei Kommunisitsche Partei Venezuela,98 Sitze; blau: Oppositionsbündnis Mesa de la Unidad Democrática, 65 Sitze, türkis oppositionelle Linkspartei Patria Para Todos
(Grafik: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalversammlung_%28Venezuela%29#/media/File:Asamblea_Nacional_Venezuela_2010.svg)

Ja, ja die Opposition ist sowieso wirklich lästig in so einem quasi Zweiparteien-Staat.
Am liebsten würde man die doch einsprerren, die Opposition!
Warum eigentlich nicht?! Und so wurde der oppositionelle Oberbürgermeister der Hauptstadt Caracas, Antonio Ledezma, am 20. Februar dieses Jahres sicherheitshalber festgenommen. Der ausgefeilte Grund der Festnahme: Regierungsgegner mit regierungsfeindlichen Gedanken.
Na, das kam jetzt wirklich überraschend.

Aber auch etwas subtiler kann die Regierung ihren eigenen Machterhalt sichern. Damit fing schon Hugo Chávez an, der Vorgänger von Maduro. So wurde 2009 das Verhältniswahlrecht abgeschafft und eine Neuordnung der Wahlkreise beschlossen.
Das führte dazu, dass die Vergabe der Mandate nicht mehr proportional stattfand, sondern die ländlichen Wahlkreise stärker ins Gewicht fallen. Das trifft sich natürlich gut, denn traditionell sind dort eher regimetreue Wähler zu finden.
(vgl. Mijares 2014: 2)
Maduro hat es aber auch nicht leicht. 2013 verstarb der sehr charismatische Hugo Chávez, der aus Venezuela ein Regime formte, in dessen Mittelpunkt er selbst stand. Durch seine ausdrucksstarke Persönlichkeit und Maßnahmen, die gesellschaftliche Ressourcen dem ärmeren Teil der Bevölkerung zukommen ließen, festigte Chávez seine Position. So machte er 1999 Schluss mit den alten politischen Eliten, die die saftigen Erdölerträge selbst einstrichen.
Nach seinem Tod blieb ein Vakuum in der politischen Führung des Landes. Ein Vakuum, das es zu füllen galt. Neben dem Fakt, dass neben Chávez fast jeder erblasst, stellt sich eine noch schwierigere Aufgabe. So ist weder die Opposition besonders einheitlich, noch bilden die Anhänger des Chavismus eine homogene Gruppe. Das stellt die Regierung vor eine schwierige Aufgabe und in Kombination mit der desaströsen wirtschaftlichen Lage scheint es fast unmöglich, dieses Land zu einen.

Wenn das mit dem Kompromiss finden und dem Einbeziehen der Opposition nicht so klappt, dann liegt das Einsperren dieser ja schon nahe. Und wenn man schon dabei ist, kann man ihr, der Opposition, auch gleich den Tod von zwei demonstrierenden Regierungsgegnern ein Jahr zuvor in Schuhe schieben. – Aber Moment… macht das Sinn? Welches Interesse hat die Opposition daran, demonstrierende Studenten, die auch gegen die aktuelle Regierung sind, umzulegen?
Ach, das sind Feinheiten, über die sich Maduro und seine Leute keine Gedanken machen.
Sie beschäftigen sich lieber mit wichtigeren Angelegenheiten. Zu denen zählen neben dem Heranschaffen von Hygieneartikel unter anderem auch das Kaschieren des offensichtlichen Unvermögens der Regierung selbst.

So entstehen manchmal kilometerlange Warteschlangen vor den Geschäften. Wenn es mal wieder was zu essen in den Läden gibt, dann lohnt sich frühes Kommen. Knapp und sehr begehrt sind vor allem Weizenmehl, Maismehl, Butter, Reis und Milch.

Aber auch dafür hat die findige Regierung wieder eine Lösung:
Die Warteschlagen werden verboten! So einfach ist das! Nun wird zwar weiterhin Stunden vor Ladenöffnung angestanden, aber zumindest sieht es keiner mehr. Angestellt wird sich nämlich jetzt in der Tiefgarage und im Parkhaus. So bleiben die Straßen frei von wütenden, wartenden Menschenmassen und die Regierung hat ein Problem weniger. Genial!

Schließlich bleibt es abzuwarten, wie sich die Lage in Venezuela weiter entwickelt. Wir Maduro dem Erbe Chávez gewachsen sein? Ich bezweifle es stark…

Prillan

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Ökonomie, Lateinamerika abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s